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Jubiläumsprogramm: Via Mediaeval 2019

20 JAHRE

Mit seiner Jubiläums-Edition blickt Via Mediæval zurück auf Konzerte aus 20 Jahren und präsentiert „alte Bekannte“, sowohl als Interpreten als auch in der Auswahl der Räume. Sechs Konzerte führen die Gäste in diesem Jahr zurück zu den Wurzeln unserer Musikgeschichte.

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Konzerte 2019

Der Vorverkauf erfolgt über die örtlichen Gemeinden, das Ticket-System reservix oder über das jeweilige Partnerfestival.

Zu den Konzerten mit dem Kirchenfester Icon Kirchenfenster findet für Konzertbesucher eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn eine kostenfreie Kirchenführung statt.

Einige Konzerte werden für das Hörfunkprogramm von Icon SWR2 aufgezeichnet.

Sa 14.9.

20.00 Uhr

Otterberg, Abteikirche

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Trio Mediaeval (NO) mit John Potter (GB)

„Si tres grant melodie“ Machaut und die Könige von Zypern

Abteikirche
67697 Otterberg

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Vorverkauf

Die als Codex Turin J.II.9 bekannte Handschrift ist eine der bedeutendsten und zugleich mysteriösesten Quellen für Choral und mehrstimmige Musik des späten 14. Jahrhunderts. Bekannt ist, dass die Handschrift für den Hof von König Janus von Zypern (1398 bis 1432) in Nikosia zusammengestellt wurde. Wer aber die Urheber waren und wie diese formvollendete französische Musik nach Zypern gelangen konnte, ist eines der großen Rätsel der Musikgeschichte. Erstaunlich sind an der Sammlung unter anderem einige Stücke, die von Guillaume de Machaut beeinflusst zu sein scheinen, der jedoch schon 1377 gestorben war und Zypern nach heutigem Kenntnisstand nie bereist hatte. Das Programm mit geistlicher Musik vereint Werke dieses außergewöhnlichen und möglicherweise von Machaut inspirierten zyprisch-französischen Repertoires mit anderen Werken des Komponisten.

Machaut und die Könige von Zypern ist das erste Projekt, an dem das Trio Mediaeval und John Potter seit der Tournee des Trios mit den drei Tenören des Hilliard Ensemble im Jahr 2002, zusammengearbeitet haben. Die Entdeckung, dass die zypriotische Mehrstimmigkeit ihren Stimmen entsprach, eröffnete diesem einzigartigen Quartett ein bisher unbekanntes Repertoire.

Das Vokalensemble Trio Mediaeval (Anna Maria Friman, Linn Andrea Fuglseth, Jorunn Lovise Husan) wurde 1997 in Oslo gegründet. Das Kernrepertoire des Trios umfasst geistliche monophone und polyphone mittelalterliche Musik aus England, Italien und Frankreich, zeitgenössische Werke, die für das Ensemble geschrieben wurden, sowie traditionelle norwegische, schwedische und isländische Balladen und Lieder. In den letzten acht Jahren hat das Trio spannende Kooperationen mit einzelnen Musikern und größeren Ensembles/Orchestern entwickelt. John Potter ist Sänger und Autor, ehemaliges Mitglied des Hilliard Ensembles und emeritierter Dozent der Universität York. Seine Bücher über das Singen werden von Cambridge und Yale University Press veröffentlicht.

Bild Trio Mediaeval
Bild John Potter
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So 15.9.

18.00 Uhr

Klingenmünster, Mönchsaal

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Anne Azéma (USA)

„La Reina Joiosa“ – Die fröhliche Königin: Musik aus Frankreich und der Provence

Mönchsaal
76889 Klingenmünster

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Vorverkauf

Eine Erforschung des weiblichen Geistes und der Macht in der mittelalterlichen Geschichte und Phantasie. Diese Werke singen und sprechen von mittelalterlichen Frauen, sowohl imaginären als auch realen. Die archetypischen Symbole des Weiblichen: die ferne Geliebte, die freche Hirtin, natürlich mit einem besonderen Ehrenplatz für die Jungfrau Maria. Leidenschaft, Freude, Trauer und Humor prägen diese wertvollen Schätze aus acht Jahrhunderten Vergangenheit, die immer noch lebendig und zeitlos in ihrer Aktualität sind. Werke von Trouvères des 13. Jahrhunderts, Guillaume de Machaut und anderen Werken des Komponisten.

Die in Frankreich geborene Sängerin und Wissenschaftlerin Anne Azéma leitet The Boston Camerata (2008) und das französische Ensemble Aziman (2005). Sie ist eine anerkannte Expertin auf dem Gebiet des mittelalterlichen Gesangs, hat zahlreiche Aufnahmen veröffentlicht und weltweite Tourneen absolviert. Azéma ist als Solo-Konzertsängerin gefragt und präsentiert ihre originellen Programme dem Publikum in Nordamerika, Europa, dem Mittleren Osten und Asien. Zu ihren Lehrtätigkeiten gehören Meisterkurse, Seminare und Residenzen an Konservatorien und Universitäten in Nordamerika und Europa. Sie hat Artikel für wissenschaftliche und allgemeine Publikationen verfasst. Im Jahr 2011 bekam Azéma von der französischen Regierung den Orden der Künste und der Literatur verliehen. In dieser One- Woman-Show setzt sie ihre enorme Geschicklichkeit, Kenntnis und Fantasie ein, um diesem großartigen Repertoire mit ihren Sprachkenntnissen, einer kristallinen Stimme und schauspielerischem Talent zu dienen.

Bild Anne Azéma
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Fr 20.9.

19.30 Uhr

Hornbach, St. Fabianstift

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Sequentia, Benjamin Bagby (F) & Norbert Rodenkirchen (D)

„Oswald in Konstanz“ – Wolkenstein Programm

St. Fabiansstift
Im Stift 16
Hornbach

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Vorverkauf

Während des Konstanzer Konzils prangert der Tiroler Dichter und Sänger Oswald von Wolkenstein in seinen Liedern die Missstände in der Stadt und Umgebung an. Er kommentiert die politischen Ereignisse und Entscheidungen, berichtet aber auch sehr häufig von Lustbarkeiten am Rande des Konzils: Trinkgelagen, Tanzveranstaltungen und der Geschäftstüchtigkeit der Konstanzer 'freulin'. Auf Überlingen, wo ein Teil der Konzilgäste wohnte, und seine hohen Preise, minderwertiges Essen, saurer Wein und hässliche Frauen, war er noch schlechter zu sprechen. Oswald besingt einen verheerenden Besuch im Wirtshaus und berichtet in allegorisch- politischen Liedern über die Konzils-Ereignisse. Dazu kommt eine formelle Debatte zwischen einem Höfling und einem Stadtbürger: wer hat mehr Erfolg bei den Mädchen? Neben zwei der berühmtesten autobiographischen Lieder erklingen Instrumentalstücke basierend auf Melodien von Oswald von Wolkenstein.

Das Ensemble Sequentia zählt heute zu den innovativsten und international am meisten geschätzten für Musik des Mittelalters. Die Arbeit des Ensembles, die auf internationalen Konzertreisen präsentiert wird, spiegelt sich in Werken, die das gesamte Mittelalter umfassen. Sänger und Harfenist Benjamin Bagby ist seit über 35 Jahren tonangebende Figur im Feld der musikalischen Aufführungspraxis des Mittelalters. Als Gastdozent hat er Kurse und Workshops in ganz Europa und Nordamerika geleitet. 2005 bis 2018 unterrichtete er Aufführungspraxis mittelalterlicher Musik an der Universität Paris – Sorbonne. 2016 wurde er mit dem REMA Early Music Award für sein Schaffen ausgezeichnet. Norbert Rodenkirchen ist seit 1996 Flötenspieler bei Sequentia und darüber hinaus ein gefragter Komponist für Theater und Film sowie Produzent von CD-Projekten. An den Hochschulen in Salzburg und Köln hat er Workshops für mittelalterliche Instrumentalimprovisation gegeben.

Bild Sequentia
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Sa 21.9.

18.00 Uhr

Metz, Romanische Kirche Saint-Pierre-aux-Nonnais

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Partnerkonzert Voix & Route Romane
Ars Choralis Coeln (D)

Ay, Santa Maria ! –Marien-Wunder in den Cantigas de Santa Maria und im Llibre Vermelle

Romanische Kirche Saint-Pierre-aux-Nonnais
1 Rue de la Citadelle
57000 Metz

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Vorverkauf

Vox Nostra

Die Erfindung der Mehrstimmigkeit in Europa

In der Regierungszeit des kastilischen Königs Alfons X „der Weise“ (1221-1284) entstand die größte in Musik gesetzte Sammlung iberischer Gedichte: die „Cantigas de Santa Maria“. Dieses monumentale Werk umfasst 420 Lieder - 356 davon erzählen in volkstümlicher Sprache von Wundern, die der heiligen Jungfrau Maria zuschrieben werden. Die Gottesmutter spielt darin die eingreifende Rolle einer guten Fee, die Menschen in den verschiedensten Nöten und Gefahren zu Hilfe kommt. Das Programm wird ergänzt durch einige Gesänge aus dem „Llibre Vermell de Montserrat“, einer Lied- und Gedichtsammlung, die von Mönchen dieses berühmten Wallfahrtsortes auf den Weg gebracht wurde, um Pilgern ein der Stätte angemessenes, auf bekannten Melodien beruhendes und mitunter sogar zum Tanzen geeignetes Lied-Repertoire zur Verfügung zu stellen..

Das Ensemble „Ars Choralis Coeln“ wurde 2004 durch eine gemeinsame Initiative des Kölner Erzbistums und des „Initiativkreis freie Musik Köln“ gegründet und seitdem von Maria Jonas geleitet. Seit seinem vielbeachteten Debüt beim Festival „Romanische Nacht“ in Köln wird das Ensemble zu so namhaften Treffen wie den „Montalbâne“-Festspielen, dem „Festival Alter Musik“ im Erzgebirge oder der „A-cappella-Woche“ in Hannover eingeladen. Im Zentrum der musikalischen Arbeit des Ensembles steht das Werk Hildegard von Bingens und die Neu- bzw. Wiederaufarbeitung des Kernbestands an Musik-Manuskripten aus der Bibliothek des Kölner Doms.

Bild Ars Coralis Coeln
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So 22.9.

17.00 Uhr

Offenbach-Hundheim, St. Maria

Icon Kirchenfenster

Ensemble La Reverdie (IT)

„L’occhio del chor“ – Das Auge des Herzens
Blinde Liebe in der Musik von Landini

Abteikirche St. Maria
Klosterstraße 12
67749 Offenbach-Hundheim

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Vorverkauf

Francesco Landini (1325/1335-1397) war der bekannteste Florentiner Komponist seiner Zeit. Er erblindete im Alter von sieben Jahren aufgrund einer Pockenerkrankung und wurde trotz dieser Behinderung zu einem gefeierten Komponisten, Poeten und Musiker.

Hatte Landinis Erblindung Einfluss auf seine poetischen Werke? Das Ensemble la Reverdie beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem genialen Komponisten und versucht zu ergründen, wie er seiner Behinderung in seinen Werken Ausdruck verliehen hat. Das Sehen ist für Landini ein zentrales Motiv. Die Augen werden als eine Art Pforte betrachtet, durch das die Liebe und ihre höhere Inspiration in die Seele eintreten. Landini konnte die Welt um ihn herum nur mit dem „Auge des Herzens“ erfahren. Vielleicht spricht uns seine Musik, die schon damals als Meisterwerk bekannt war, deshalb auch heute noch so sehr an.

1986 gründeten zwei Schwesternpaare aus Italien das mittelalterliche Ensemble la Reverdie: Der Name, abgeleitet vom poetischen Genre, das die Rückkehr des Frühlings feiert, offenbart vielleicht das Hauptmerkmal einer Gruppe, die seit über 20 Jahren Publikum und Kritiker gleichermaßen für die Vielfalt ihrer Annäherung an das vielfältige musikalische Repertoire des Mittelalters und der Renaissance begeistert. Die Erfahrung der intensiven Tätigkeit hat laReverdie zu einem einzigartigen Ensemble gemacht, sowohl für die außergewöhnliche Begeisterung, die sie teilen und an ihr Publikum weitergeben, als auch für ihre sichere und natürliche Virtuosität beim Spielen und Singen.

Christophe Deslignes entdeckte das Portativ zu Beginn seines Studiums der mittelalterlichen Musik an der Schola Cantorum in Basel, wo er 1995 das Solistendiplom erhielt. Inspiriert von u.a. dem Bandoneon von Astor Piazzolla, rekonstruiert er als Autodidakt die Technik dieses vergessenen Instruments.

Bild La Reverdie
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Fr 27.9.

19.30 Uhr

Worms, Dom St. Peter

Icon Kirchenfenster

REMA (European Early Music Network)-Tagung:
Ensemble Ordo Virtutum (D)

„Cluny und Cîteaux: Exstase und Askese"Liturgischer Gesang des Mittelalters aus Burgund

Dom St. Peter
67595 Worms

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Vorverkauf

Mit Cluny und Cîteaux finden sich im Burgund des 12. Jahrhunderts zwei bedeutende wie unterschiedliche Reformbewegungen des mittelalterlichen Mönchtums: Das benediktinische „Mönchsimperium" von Cluny mit seiner imposanten Klosterstadt und Äbten, die Kunst und Wissenschaft fördern und in der schmuckreichen Ausstattung von Kirchenraum und Liturgie samt ihres Gesangs den richtigen Weg zu Gott sehen. Demgegenüber der neue Orden der Zisterzienser, die in scharfer Kritik an Cluny, Askese und Abkehr von allem Überflüssigen als klösterliches Ideal propagieren und dabei auch den Choral reformieren. Ordo Virtutum stellt mit Petrus Venerabilis und Bernhard von Clairvaux zwei der wichtigsten geistlichen Persönlichkeiten des mittelalterlichen Burgund gegenüber, die als Zeitgenossen im Austausch standen, sich kritisierten aber auch bewunderten. In ihrer Musik treffen zwei sehr verschiedene Ansichten über die Gestaltung liturgischer Musik aufeinander, die gleichwohl beide von den gewaltigen Reformimpulsen des 12. Jahrhunderts geprägt sind.

Das Ensemble Ordo Virtutum wurde vom Musikwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Johannes Morent gegründet. Ziel ist die Verbindung von Interpretation und musikwissenschaftlicher Forschung, um einen Zugang zur musikalischen Welt des mittelalterlichen Europa zu eröffnen. Das Ensemble betreibt für jedes Projekt umfangreiche eigene Forschungsarbeit und erhielt Einladungen zu zahlreichen Festivals in Europa, USA und Australien. Das Repertoire umfasst Gregorianischen Choral, Minnesang, mittelalterliche Epen, Musik von Hildegard von Bingen sowie Geistliche Spiele. Einladungen zu Radio- und Fernsehproduktionen sowie zu Kongressen und Symposien runden die Arbeit des Ensembles ab und bestätigen seit über 20 Jahren sein internationales Renomée als eines der führenden Ensembles seiner Art. Ordo Virtutum gastierte mit seinen Programmen bei zahlreichen internationalen Festivals (u.a. Oude Muziek Utrecht, Via Mediaeval, Musica Sacra Maastricht, RheinVokal, Romanischer Sommer Köln), bei denen von der Presse »die artistische Meisterschaft in Gesang und Instrumentalspiel« besonders hervorgehoben wurde.

Bild Ordo Virtutum
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Sa 28.9.

20.00 Uhr

Bechtheim, Basilika St. Lambertus

Icon Kirchenfenster

Ensemble La Mouvance (D)

„Miracles – Vision, Wunder, Glaubenserfahrung“Hildegard von Bingen, Philip der Kanzler u.a.

Basilika St. Lambertus
67595 Bechtheim

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Vorverkauf

Prophetische Visionen, unerwartete Heilung, Geschöpfe einer anderen Welt und außergewöhnliche Naturerscheinungen – Berichte von wundersamen Ereignissen sind in mittelalterlichen Handschriften zahlreich. Oftmals ist Musik in den Legenden selbst der Auslöser eines Wunders.

Ausgehend von einem der bedeutendsten Bücher mittelalterlicher Wundererzählungen, dem „Dialogus magnus visionum ac miraculorum“ des Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach (um 1180 - nach 1240), begibt sich das Ensemble La Mouvance auf Spurensuche der Vorstellungswelt des beginnenden 13. Jahrhunderts. Das Buch greift bekannte zeitgenössische Erzählmotive auf und gliedert diese in Themenbereiche wie die Versuchung, Dämonen und Visione

La Mouvance lässt sich vom „Dialogus miraculorum“ inspirieren und illustriert es musikalisch mit Kompositionen von Hildegard von Bingen, Gautier de Coinci u.a.

In intimer Besetzung zeigt La Mouvance die Vielseitigkeit Früher Musik. „Mouvance“ steht für das Wechselspiel zwischen mündlicher und schriftlicher Überlieferung von Text und Musik. Dies förderte die Entstehung zahlreicher Varianten eines einzigen Stückes. Das Ensemble überzeugt mit einer lebendigen und geistreichen Interpretation, welche sich auf die sorgfältige Kenntnis der mittelalterlichen Handschriften und Quellen stützt. Christine Mothes und Karen Marit Ehlig haben sich im Jahr 2009 zusammengefunden und konzertieren in aktuellen Projekten mit weiteren Gästen. Neue Impulse erhielten die Musikerinnen durch Spezialisten auf dem Gebiet mittelalterlicher Musik, wie Kees Boeke, Jill Feldmann, Pierre Hamon, Uri Smilansky, Marc Lewon und Benjamin Bagby. Im Rahmen der International Young Artist’s Presentation, Antwerpen 2010 wurde dem Ensemble der Titel „IYAP Selected Promising Ensemble 2010“ verliehen. Seitdem ist La Mouvance auf zahlreichen internationalen Festivals zu hören.

Bild La Mouvance
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Karte mit Veranstaltungsorten Bild Bechtheim Bild Offenbach Bild Worms Bild Otterberg Bild Hornbach Bild Speyer Bild Klingenmünster

Romanische Gebäude in der Pfalz

Konzertorte

Via Mediaeval. Mittelalterliche Vokalmusik in romanischen Gebäuden. Eine Musikreihe des Kultursommers Rheinland-Pfalz in Verbindung mit seinen regionalen Partnern.

Hintergrund
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Ein Überblick

20 JAHRE

Wie so oft gab das Motto des Kultursommers die Anregung – ohne wäre es vielleicht nie dazu gekommen…

„Rendezvous mit Frankreich“ hieß das Länder-Motto im Jahr 1999 und dieses Thema lag ja wirklich nahe – musste man doch nur im Süden mal über die Grenze schauen. Dort gab es unter anderem seit 1992 das elsässische Festival „Voix et Route Romane“. Entlang einer im Elsass touristisch schon erschlossenen Straße, die Gebäude romanischer Architektur miteinander verbindet, veranstaltete Direktor Jean Paul Linder Konzerte mit Alter Musik, jeweils im Herbst des Jahres. So startete die Zusammenarbeit mit Frankreich und die rheinland-pfälzische Konzertreihe – nach ersten Kontakten in 1998 und der Spektakulum-Aufführungen von „Die Dame mit dem Einhorn“ – in Speyer mit einem angelehnten Konzept im südlichen Teil unseres Bundeslandes. Schnell war auch der Name der Konzertreihe in einer Übersetzung des französischen Vorbilds gefunden: „Vokalmusik entlang der Romanischen Straße".

Dabei entwickelte sich der klare Rahmen für die 6-8 Konzerte in der Pfalz:

  • Die Konzerte sollten ausschließlich in Räumen stattfinden, die sichtbar romanischem Baustil zuzuordnen sind
  • Das musikalische Spektrum sollte von der frühen Musik bis spätestens zur Epoche Martin Luthers reichen, Renaissance und Barock also sollten nicht beinhaltet sein
  • Die Konzerte sollten ein Beitrag zum jeweiligen Jahres-Motto der Reihe sein, das soweit möglich sich an das Kultursommer-Motto anschließen sollte
  • Der Verbindung von Musik und Architektur sollte Rechnung getragen werden durch das Angebot einer bauhistorischen Führung vor den Konzerten
  • Die Interpreten und Ensembles sollten alle auf höchstem künstlerischen Niveau und mit bestem musikwissenschaftlichen Wissen ausgestattet sein
  • Das Publikum wird durch ein ausführliches Abendprogramm mit Hintergrundinformationen, Begleittexten und Übersetzungen durch das Konzert geführt

Unsere Partner / weitere Links

Logo Voix

Festival Voix & Route Romane
Das Festival Alter Musik im Elsass
www.voix-romane.com

Logo REMA

REMA / EEMN
Die Reihe Via Mediaeval im Mitglied des Europäischen Netzwerks für Alte Musik / Réseau Européen de Musique Ancienne / European Early Music Network
www.rema-eemn.net

Logo Otterberg

Otterberger Abteikirchenkonzerte
Konzerte im der ehemaligen Zisterzienserkirche
www.cms.abteikirche-otterberg.de/die-abteikirche-otterberg/konzerte/

Logo Euroclassic

Festival Euroclassic
Länderübergreifend in der Pfalz und im Elsass
www.festival-euroclassic.eu

Logo Int. Musiktage

Internationale Musiktage
www.dom-zu-speyer.de/dommusik/konzerte/ internationale-musiktage/

Logo Wunderhoeren

Wunderhoeren
Tage Alter Musik & Literatur in Worms
http://www.wunderhoeren.de

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Bild Prof. Dr. Stefan Morent

Künstlerischer Berater

Prof. Dr. Stefan Morent

studierte Musikwissenschaften und Informatik an der Universität Tübingen, Blockflöte und Historische Aufführungspraxis bei Kees Boeke sowie Musik des Mittelalters bei Andrea von Ramm und Sterling Jones. Er promovierte 1995 zum Dr. phil. als Stipendiat der Landesgraduiertenförderung und erlangte 2004 die Habilitation zum Thema „Das Mittelalter im 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Kompositionsgeschichte in Frankreich“ als Stipendiat des Graduiertenkollegs „Ars und Scientia im Mittelalter und der frühen Neuzeit“ in Tübingen folgte. Seit 2008 ist er dort außerplanmäßiger Professor.

Seine Forschungsinteressen reichen von der Musik des Mittelalters, ihrer Aufführungspraxis und Rezeption, über Musiktheorie der Renaissance (Glarean u.a.) und landeskundliche Themen (Musik im deutschen Südwesten, Musik am Stuttgarter Hof 16.-18. Jh.) sowie französischer Musik des 19. Jahrhunderts und Musik und Religion ("Sacred Sound") bis zur Digitalen Musikedition. Zur Zeit betreut er ein DFG-Forschungsprojekt zur Erschließung mittelalterlicher Musikfragmente aus württembergischen Klöstern.

Prof. Dr. Morent nahm Professur-Vertretungen in Trossingen, Wien, Hamburg, Heidelberg, Detmold, Saarbrücken, Mannheim und Köln wahr und folgte einer Einladung als Visiting Professor an die University of Berkeley/USA.

Als Leiter des von ihm gegründeten Ensembles „Ordo Virtutum“ für Musik des Mittelalters geht er einer umfangreichen internationalen Konzerttätigkeit mit Einladungen zu bedeutenden Festivals für Alte Musik nach und kann auf zahlreiche preisgekrönte CD-Einspielungen zurückblicken. Er ist künstlerischer Leiter der Festivals „Via Mediaeval – Musik und Räume des Mittelalters “ in Rheinland-Pfalz und „Musikalische Avantgarde um 1400“ in Konstanz. Außerdem leitet er die Schola Cantorum am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen.

Impressum

Herausgegeben vom Kultursommer Rheinland-Pfalz
der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur
Mittlere Bleiche 61, 55116 Mainz
Stand: Juni 2018
Gestaltung: www.beatemarx.de
Technische Umsetzung: www.jung-newmedia.de
Fotos: Wenn nicht anders vermerkt von den Künstlern / Veranstaltern.
Darüber hinaus gilt das Impressum Kultursommer Rheinland-Pfalz

Kontakt

Kultursommer Rheinland-Pfalz
der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur
Mittlere Bleiche 61
55116 Mainz
Tel.: 06131 / 28 83 80
Fax: 06131 / 28 83 88
E-Mail: info@kultursommer.de

Datenschutz

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Ad multos annos,
Via Mediaeval!

Prof. Dr. Stefan Johannes Morent

Zum 20-jährigen Jubiläum hat Via Mediaeval in diesem Jahr ein Programm zusammengestellt, das die Quintessenz der Reihe seit ihrer Gründung widerspiegelt: Ein exemplarischer Querschnitt durch die europäische Musikgeschichte des Mittelalters, in den entsprechenden Räumen dargeboten von renommierten Interpreten.

Unsere Musik- und Zeitreise beginnt am geographischen Rand Europas, auf Zypern, der Insel der Aphrodite. Zypern wurde von Richard Löwenherz während seines Kreuzzugs 1198 erobert und zunächst den Templern übergeben, die es wiederum Guy de Lusignan, dem letzten König von Jerusalem, überließen. Die Dynastie der Lusignan herrschte auf Zypern bis ins späte 15. Jahrhundert. Am Hof von König Janus (reg. 1398–1432) florierten Künste und Musik, besonders die sehr verfeinerte Kompositionskunst der französischen Ars subtilior. Trio Mediaeval vom nördlichsten Rand Europas zusammen mit John Potter von den Britischen Inseln – Brexit hin oder her – präsentieren dieses besondere Musikrepertoire in der grandiosen Abteikirche von Otterberg und untersuchen dabei auch die Einflüsse von Guillaume de Machaut, des großen Exponenten französischer Musik des 14. Jahrhunderts..

Von Zypern gelangen wir in die sonnige Provence, dieser von Kultur getränkten Landschaft, in der im Mittelalter die Kunst der Troubadours blühte. Eleonore von Aquitanien herrschte als Königin über Frankreich und England und war eine der größten Mäzeninnen der Troubadours und der im nördlicheren Frankreich tätigen Trouvères. Sie besangen die unerfüllte Liebe zur höfischen Dame, die sie auch unabhängig von ihrem tatsächlichen Stand als Königin zumindest des Herzens titulierten. Von dort war es nicht weit zur Königin des Himmels, der Jungfrau Maria. Und so vermischen sich in der Dichtkunst der Troubadours und Trouvères auf raffinierte Weise die weltliche und religiöse Sphäre. Anne Azéma, die international renommierte Interpretin für dieses Repertoire, führt uns in ihrer „One woman show“ in dieses intrikate Vexierspiel ein. Dargeboten in der intimen Atmosphäre des Mönchsaals in Klingenmünster und ganz konzentriert auf die Stimme und wenige Instrumente, freuen wir uns auf einen besonders eindrücklichen Abend.

Die Provence und Frankreich waren auch dem vielgereisten Oswald von Wolkenstein nicht fremd. Als Diplomat im Dienste König Sigismunds und in eigenen Angelegenheiten durchquerte er nach den Angaben in seinen Liedern das ganze damals bekannte Europa. Natürlich fehlte er auch nicht beim größten europäischen Ereignis des Spätmittelalters, dem Konstanzer Konzil. Hier trafen sich von 1414–1418 alle geistlichen und weltlichen Würdenträger von Rang und Namen, um das Kirchenschisma mit drei gleichzeitig amtierenden Päpsten zu beenden. Mit ihnen kamen auch ihre Hofkapellen und Musiker nach Konstanz, so dass hier ein unvergleichlicher Austausch von Musik im Sinne einer Europäischen Musikkultur stattfinden konnte, von dem auch Oswald profitierte. Das Ensemble Sequentia entführt in seinem Konzert in die Liederwelt Oswalds von Wolkenstein, in der er sich über die hohen Preise, den Diebstahl und fehlende Unterkünfte beklagt oder einen verheerenden Besuch im Nachtlokal beschreibt. Doch auch politische Entscheidungen finden sich durchaus im Repertoire Wolkensteins, so etwa ein Lied über Jan Hus. Neben den berühmten autobiographischen Liedern Oswalds, wie zum Beispiel "Es fügt sich", sind im Konzert des Ensembles Sequentia Instrumentalstücke basierend auf Melodien von Oswald zu hören. Das Fabianstift in Hornbach bietet mit seiner Akustik den geeigneten Rahmen für die legendäre Vortragskunst von Benjamin Bagby.

Oswald war auf einem Auge blind – Francesco Landini erblindete bereits in der Kindheit völlig, was ihn aber nicht daran hinderte, der bedeutendste Komponist des 14. Jahrhunderts in Italien zu werden, ebenbürtig seinem Zeitgenossen Guillaume de Machaut in Frankreich. Aus zahlreichen Erzählungen und Abbildungen wissen wir, dass Landini ein besonders begnadeter Virtuose auf dem Organetto bzw. Portativ war, der kleinen tragbaren Handorgel. Wenn er seine eigenen Kompositionen spielte und sang, sollen sogar die Vögel ihren Gesang unterbrochen und danach in die Musik mit eingestimmt haben. Landini steht damit in einer langen Tradition berühmter blinder Organisten der europäischen Musikgeschichte. Das italienische Ensemble La Reverdie, das sich seit vielen Jahren speziell der Musik des Trecento widmet, geht der spannenden Frage nach, inwiefern die Erblindung Landinis eine besondere Innigkeit seiner Kompositionen im Sinne eines inneren Sehens mit dem Herzen bedingte.

Von Italien geht es weiter nach Burgund. Hier nahm im 12. Jahrhundert mit den Zisterziensern einer der bedeutendsten monastischen Reformorden des Mittelalters seinen Ausgangspunkt. Abheben wollten sich die Zisterzienser vor allem von den Benediktinern von Cluny, die – ursprünglich selbst in reformerischer Absicht – inzwischen zu Reichtum, Wohlstand und Einfluss gelangt waren. Ihre Kirchengebäude glichen einer Klosterstadt und die Kirche von Cluny war die größte der Christenheit, in der eine reiche, prachtvolle Liturgie gefeiert wurde. Die Zisterzienser und vor allem Bernhard von Clairvaux setzten dagegen eine radikale Einfachheit in Liturgie, Gesang und Architektur. Das Ensemble Ordo Virtutum stellt anlässlich der erstmalig von Via Mediaeval ausgerichteten REMA (European Early Music Network)-Tagung im Dom zu Worms in einem Doppelkonzert die Musik der Ekstase aus Cluny und der Askese aus Cîteaux gegenüber.

Unsere Reise endet in den Stammlanden unserer Reihe und bringt mit Hildegard von Bingen die neben Oswald von Wolkenstein wohl bekannteste Figur des Mittelalters in den musikalischen Reigen ein: Bekanntermaßen empfing sie ihre theologischen Erkenntnisse in Vision, hörte aber auch die mit ihr verbundene Musik in Auditionen. Das junge Nachwuchs-Ensemble La Mouvance – auch dies eine Tradition von Via Mediaeval – spürt in der Basilika von Bechtheim den vielfältig im Mittelalter belegten Erfahrungen von Visionen, Wundern und Mirakeln und ihrem Nachwirken in der Musik nach.

Wir möchten Sie verehrte Hörer wiederum herzlich zu unserer Konzertreihe einladen, um wie seit 20 Jahren gewohnt in höchster Qualität und in sorgfältig ausgewählter Übereinstimmung die Symbiose von Musik und Raum zu erleben.

Ad multos annos, Via Mediaeval!

Prof. Dr. Stefan Johannes Morent

 

Bild Berater

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