Via Mediaeval 2018
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Bild: Alte Europa-Karte

Via Mediaeval 2018

EUROPA

Im „Europäischen Jahr des Kulturerbes“ greift „Via Mediaeval“ 2018 dieses Motto auf und fragt unter der Überschrift „Europa“ nach den Wegen und Formen, die im Mittelalter zur Herausbildung einer europäischen Musikkultur geführt haben.

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Konzerte 2018

Der Vorverkauf erfolgt über die örtlichen Gemeinden, das Ticket-System reservix oder über das jeweilige Partnerfestival.

Zu den Konzerten mit dem Kirchenfester Icon Kirchenfenster findet für Konzertbesucher eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn eine kostenfreie Kirchenführung statt.

Einige Konzerte werden für das Hörfunkprogramm von Icon SWR2 aufgezeichnet.

So 2.9.

17.00 Uhr

Worms, Magnus-Kirche

Icon Kirchenfenster

John Potter & Conductus-Ensemble

Heilige, Sünder und die Jungfrau Maria

Magnuskirche
Dechaneigasse 3
67547 Worms

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Vorverkauf

John Potter, Rogers Covey-Crump und Christopher O'Gorman hatten bereits 2013 einen Auftritt bei Via Mediaeval. Damals standen sie am Beginn ihres Forschungsprojekts „Cantum Pulcriorem Invenire“ unter der Leitung von Professor Mark Everist von der Universität Southampton. Fünf Jahre, drei CDs und zahlreiche Konzerte später kehren Sonntag, 2. September, 17.00 Uhr 67547 Worms, Magnuskirche die drei „mittelalterlichen Tenöre“ nun als Ensemble Conductus zu Via Mediaeval zurück.

Ihr Programm basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die variantenreichen und conducti des 12. Jahrhunderts. Anhand von Manuskripten aus Deutschland, Spanien, der Schweiz und Frankreich reflektiert die Musik die typisch mittelalterliche Auseinandersetzung mit dem menschlichen Dasein, den Heiligen und insbesondere der Muttergottes Maria.

John Potter und Rogers Covey-Crump haben bereits mit David Munrows „Early Music Consort of London“ zusammengearbeitet und später als Mitglieder des Hilliard Ensembles zahlreiche Alben mit mittelalterlicher Musik von Pérotin bis Machaut aufgenommen. Rogers Covey-Crump hat mit dem „Medieval Ensemble of London“ das gesamte Repertoire von Guillaume Dufay auf CD aufgenommen und außerdem bei „Gothic Voices“ mitgewirkt. John Potter hat mit „Red Byrd“ Aufnahmen der Werke von Léonin und dessen Zeitgenossen erstellt und die ersten drei Alben des „Trio Mediaeval“ (ECM) produziert. Zu seinen Publikationen zählt ein Kapitel über moderne Auff ührungen mittelalterlicher Musik im demnächst erscheinenden Buch „The Cambridge History of Medieval Music“. Christopher O'Gorman hatte bereits Auftritte mit „Gothic Voices“, dem „Binchois Consort“, dem „Brabant Ensemble“ und „I Fagiolini“ und ist Mitglied des Chors am York Minster. Die drei Tenöre trafen sich erstmals 2012, um speziell den Conductus des 12. Jahrhunderts und verwandte Gattungen zu untersuchen und aufzuführen. Heute gelten sie als drei der bestinformierten und erfahrensten Sänger der europäischen Szene für mittelalterliche Musik.

Bild Conductus-Ensemble
icon

So 9.9.

ab 12.00 Uhr

Klingenmünster, Klosterhof
Tag des offenen Denkmals

Icon Kirchenfenster

Les Haulz et les Bas / sequentia

Musik für Sänger und Blasinstrumente

Ehem. Klosterhof
Im Stift 16
76889 Klingenmünster

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Vorverkauf

12.00 Uhr
Beginn Hoffest
13.00 Uhr
Konzert Les haulz et les bas
14.00 Uhr
Hoffest mit Klosterführung
15.00 Uhr
Konzert sequentia
16.00 Uhr
Hoffest mit Klosterführung
17.30 Uhr
Konzert Les haulz et les bas & sequentia in der Kirche

13.00 Uhr | Klosterhof

Les haulz et les bas

Concilium

Das internationale Preisträgerensemble Les haulz et les bas feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Jubiläum und hat anläßlich des 600-jährigen Jubiläums des Konstanzer Konzils ein Programm zusammengestellt, das die Bläsermusik der Alta Capella, der lauten festlichen Bläsermusik des Mittelalters repräsentiert. Zu diesem Gipfeltreffen in Süddeutschland versammelte sich die politische und geistliche Elite der christlichen Welt, im Gefolge ihre Trompeter und Pfeifer, Chorsänger und Komponisten, die ihren Dienstherren zu den Schauplätzen der Macht folgten. Augenzeuge Ulrich Richental beschreibt in seiner Chronik des Konstanzer Konzils die Umritte von Köng Sigismund und seinem Gefolge:

"...do viengen all pfiffer und prosoner an pfiffen und prosonen so strenklich, das nieman sin aigen wort wol hören mocht."

Les haulz et les bas spielen frühe Kompositionen der großen mittelalterlichen Komponisten Guillaume Du Fay, Antonio Zachara da Teramo, Johannes Ciconia und Oswald von Wolkenstein.

Bild Les Haulz et les Bas

15.00 Uhr | Klosterhof

sequentia

Endzeit Fragmente

Von der Zeit der Christianisierung bis zur ersten Jahrtausendwende spielten Vorstellungen vom Ende der Zeit und vom Jüngsten Gericht eine bedeutende Rolle im Reichsgebiet der Karolinger. Die Bilder der Apokalypse des Johannes korrespondierten auf faszinierende Weise mit teils noch heidnisch-germanischen Endzeitvisionen, welche im Volksglauben weiterlebten.

Im Programm ENDZEIT FRAGMENTE widmen sich Benjamin Bagby und Norbert Rodenkirchen der musikalischen Erschließung frühmittelalterlicher – u.a. in Althochdeutsch und Lateinisch verfasster - Gesänge. Neben Auszügen aus der Evangelienharmonie des Otfrid von Weißenburg wird eine musikalische Adaption des apokalyptischen Fragmentes Muspilli zu hören sein. Umrahmt wird der rezitierende Vortrag von Flöteninterludien über Sequelae - untextierte Sequenzweisen, welche auch rein instrumental vorgetragen werden konnten. Zusätzlich erklingt die lateinische Sequenz „Summi Regis“ über den Erzengel Michael mit einer ausdrücklichen Widmung an Kaiser Karl den Großen. Sie wurde in Manuskripten des 10. Jh.s dem Mönch Alcuinus (spätes 8.Jh.) zugeschrieben, könnte aber ebenso eine – quasi postmoderne - Neuschöpfung des 10. Jh.s sein, ein schillernder Beleg für das anhaltende Interesse späterer Generationen an der karolingischen Kultur mit ihren apokalyptischen Vorstellungen.

Bild sequentia

17.30 Uhr | Kirche

Les haulz et les bas & sequentia

Consonancia

In einem gemeinsamen Programm in der Kirche von Klingenmünster treff en zwei Größen der Alten-Musik Szene aufeinander, um die ganze Bandbreite mittelalterlicher Klänge vom frühen Mittelalter bis zum ausgehenden Mittelalter zu präsentieren. Cosonancia - das harmonische Miteinander - ist das höchste Ziel in der mittelalterlichen Musik wie auch im menschlichen Zusammenleben. Sequentia nähert sich dem Begriff der Consonancia in ihren Texten an während Les haulz et les bas die früheste Mehrstimmigkeit für die mittelalterlichen Blasinstrumente rekonstruieren.

Die beiden Musiker Benjamin Bagby und Norbert Rodenkirchen von Sequentia tragen verlorengeglaubte Lieder und Instrumentalstücke aus fränkischer Tradition zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert vor. Eingefasst von instrumental vorgetragenen Sequenzen und Versmelodien aus dem Kloster St. Gallen erklingen epische Gesänge in Althochdeutsch und Lateinisch sowohl über den unerbittlichen Kampf zwischen Vater Hildebrand und Sohn Hadubrand als auch die dunkle und traurige Beschreibung der Schlacht von Fontenoy, in der die Söhne Karls des Großen, Karl und Louis ihren Bruder Lothar besiegten, vom fränkischen Dichtersänger Angelbertus in klingende Verse gesetzt. Umrahmt werden diese musikalischen Kostbarkeiten von Les haulz et les bas mit der frühesten Mehrstimmigkeit für Bläser aus dem Montpellier Codex und einer musikalischen Bearbeitung der Tonfolge auf diesem Bild - der frühesten Abbildung mehrstimmigen Musizierens.

Bild Consonancia
icon

Fr 14.9.

19.30 Uhr

Hornbach, St. Fabianstift

Icon Kirchenfenster

Tasto Solo

„Or su, gentili spiriti!“

St. Fabianstift
Pirminiusstraße 1
66500 Hornbach

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Vorverkauf

Francesco Landini und die Musik des Trecento

Eine als „il Paradiso degli Alberti“ bekannte Villa in Florenz war zwischen dem Ende des Trecento und dem Beginn des Quattrocento der Haupttreffpunkt für Vertreter des Florentiner Humanismus. Hausherr Antonio Alberti und seine Familie umgaben sich dort mit Gelehrten, Dichtern, Philosophen und Musikern. Einer davon war Francesco Landini, ein bekannter Komponist und Meister des Organetto (Portativ), der mit der „dolcissima ermonia“ (süßen Harmonie) seines Instruments die Zuhörer bezaubern und der Legende nach sogar Vögel in seinen Bann ziehen konnte.

Tasto Solo lädt das Publikum zu einem Spaziergang durch die Blüte des musikalischen Humanismus im 14. Jahrhundert ein.

Das Ensemble Tasto Solo hatte 2016 sein internationales Debüt und seitdem zahlreiche Auftritte in ganz Europa. Dabei haben es sich die Künstler zur Aufgabe gemacht, die virtuose Musik des späten Mittelalters und der frühen Renaissance neu zu entdecken. Gründer und Leiter des Ensembles ist der in Barcelona geborene Portativspezialist Guillermo Pérez. Mit dem Ziel, Emotionen zu transportieren, nähert sich Tasto Solo der Alten Musik durch historische Recherche und künstlerische Kreativität. Jedes Konzert wird somit zum Erlebnis: von den Gegebenheiten der Bühne über den dramatischen Rhythmus bis hin zu Improvisationen und dem Dialog zwischen den Musikern.

Bild Tasto Solo
icon

So 16.9.

20.00 Uhr

Speyer, Krypta im Dom

Icon Kirchenfenster

Musica Nova

Von Perotin bis Machaut

Logo SWR2

Kaiserdom - Krypta
(nicht barrierefrei)
Domplatz
67346 Speyer

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Vorverkauf

Die Mehrstimmigkeit der Ars antiqua und Ars nova

Musica Nova kehrt mit diesem Programm zu den Ursprüngen der mittelalterlichen Mehrstimmigkeit zurück und widmet sich einem der überraschendsten und mysteriösesten Kapitel der Musikgeschichte: der Notre-Dame-Schule und den Werken von Léonin und Pérotin. Die großartigen Organa von Pérotin faszinieren noch heute mit ihrer harmonischen Fülle, die sich aus dem strukturierten Einsatz mehrerer Stimmen ergibt. In Anlehnung an die alte lateinische Metrik wechseln sich lange und kurze Noten ab, wobei die langen Noten als Verweis auf die göttliche Perfektion dreifach unterteilt werden.

Die erste westliche Form der rhythmischen Notation wurde an der Kathedrale Notre-Dame de Paris entwickelt und verbreitete sich von dort über ganz Europa. Im Verlauf des 13. Jahrhundert entwickelte sich dieses System der rhythmischen Notation weiter und wurde mehrfach angepasst, bis es seinen Höhepunkt in der Ars nova des frühen 14. Jahrhunderts fand, die als Vorläufer unseres heutigen Systems gilt.

Das im Jahr 2000 gegründete französische Ensemble Musica Nova setzt sich aus verschiedenen Sängerinnen und Sängern zusammen, die gelegentlich von Instrumentalisten begleitet werden. Künstlerischer Leiter ist der Sänger und Dirigent Lucien Kandel. Das vielfältige Repertoire reicht vom Mittelalter bis zum Barock und deckt damit verschiedene musikalische Epochen und Welten ab.

Das Ensemble legt besonderen Wert auf historische Genauigkeit und arbeitet mit Originalmanuskripten, deren Interpretation eine ausführliche Beschäftigung mit den musikalischen Regeln der jeweiligen Zeit (z. B. Musica fi cta und Aussprache) und mit den beabsichtigten Nuancen des Werks bedarf. Die Stücke liegen den Sängern und Musikern als Faksimile vor, weshalb die Interpretation stets variiert. Diese Herangehensweise sorgt für einen ganz besonderen Klang, eine spezielle Eigendynamik und eine musikalische Linie, die Musica Nova zu einem der weltweit außergewöhnlichsten Ensembles für Alte Musik machen.

Bild Musica Nova
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Sa 22.9.

20.00 Uhr

Otterberg, Abteikirche

Icon Kirchenfenster

Romanische Nacht - Doppelkonzert

Vox Nostra

Die Erfindung der Mehrstimmigkeit in Europa

Per-Sonat

Musik aus Zisterzienserinnen-Klöstern

Ehem. Zisterzienserabteikirche
Kirchstraße 10
67697 Otterberg

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Vorverkauf

Vox Nostra

Die Erfindung der Mehrstimmigkeit in Europa

Die europäische Musikgeschichte des Mittelalters ist geprägt von kühnen Neuerungen und progressiven Entwicklungen, was die erhalten gebliebenen schriftlichen Zeugnisse eindrucksvoll belegen. Das vorliegende Programm des Vokalensembles Vox Nostra geht auf Spurensuche nach dem Beginn und der Weiterentwicklung mehrstimmiger Vokalmusik im Früh- und Hochmittelalter.

Erste Beispiele mehrstimmiger Praxis finden sich bereits um das Jahr 900 in dem weit verbreiteten Lehrbuch „Musica et Scolica Enchiriadis”. Neben theoretischen Texten zur Musikausübung werden auch konkrete Gesänge in Dasianotation (Buchstaben-artige Zeichen) in einem platzraubenden Liniensystem aufgezeichnet und überliefern erste Versuche, Mehrstimmigkeit schriftlich zu fixieren.

Die Einführung eines gänzlich neuen Notationssystems im 11. Jhd. auf vier Linien, bei dem quadratische Noten nun auch auf der Linie platziert werden, öffnet den Raum für die sogenannte Stimmtauschpraxis, bei der Ober- und Unterstimme gekreuzt werden. Dieses bahnbrechende System wird einen Siegeszug in Europa antreten und ist der direkte Vorläufer unseres heutigen Notationssystems auf 5 Linien.

Diese neue Möglichkeit gab Raum für neue musikalische Formen wie Organum, Versus, Conductus und Motette und so erwartet die ZuhörerInnen ein spannendes Konzert von den frühesten archaischen Beispielen um 900 bis hin zu den klangschönen mehrstimmigen Gesängen des 13. Jahrhunderts.

Vox Nostra ist ein international und solistisch besetztes Ensemble aus Berlin, das sich seit 2001 unter der Leitung von Burkard Wehner auf die Vokalmusik des Mittelalters spezialisiert hat. Aus Kompositionen der frühen europäischen Kulturzentren wie Klöstern, Kathedralen und Höfen gestaltet Vox Nostra sinnvoll zusammengestellte Konzertprogramme, die den Zuhörer in die archaischen Klangwelten des Mittelalters entführen. Im Gegensatz zu den heutigen Hörgewohnheiten in temperierter Stimmung zeichnen sich die Gesänge vor 1600 durch ihre besondere Klangästhetik reiner Intervalle aus, die auf dem alten pythagoräischen Tonsystem der Griechen beruht. Das Singen aus den Originalhandschriften mit Neumen- und Modalnotationen gehört zur musikwissenschaftlich fundierten Arbeitsweise des Ensembles. Eine weitere Besonderheit von Vox Nostra ist die ortsspezifische Positionierung und Bewegung der Solistinnen und Solisten im Raum. Auf diese Weise wird die Musik optisch und akustisch – im Gegensatz zur Aufführungspraxis des 19. und 20. Jahrhunderts – neu erfahrbar gemacht, wobei das Ensemble auch auf traditionelle liturgische Rituale zurückgreift.

Bild Vox Nostra

Per-Sonat

„Unermesslich wie die Sterne des Himmels“ – Musik als einheitsstiftendes Element europäischer Zisterzienserinnenklöster

Das Programm stellt die auf Schlichtheit und Purismus bedachte Musik der Zisterzienser vor – wobei sich das Ensemble ausschließlich auf Quellen bezieht, die in europäischen Frauenkonventen in Gebrauch waren.

Eine besondere Rarität unter den verwendeten Handschriften ist dabei eine wieder entdeckte Graduale-Handschrift aus der Zisterzienserinnenabtei Sankt Marienthal bei Ostritz, die vermutlich in Böhmen entstanden ist. Daneben steht aber auch die Musik aus dem Zisterzienserinnenkloster Las Huelgas in Spanien, die über die strengen und einheitlichen Regeln des Ordens weit hinausweist. In diesem Sinne lebt das Programm nicht zuletzt vom Kontrast zwischen Rückbesinnung und Erneuerung.

Seit seiner Gründung 2008 stellt sich das Ensemble PER-SONAT die Aufgabe, die Musik des Mittelalters bis hin zur Renaissance, und gelegentlich auch das zeitgenössische Repertoire zu erforschen.

Die Größe des Ensembles schwankt je nach Programm zwischen zwei und acht Musikern, denen es bei ihren Konzerten und Einspielungen sowohl um eine wissenschaftlich fundierte, an den Originalquellen orientierte Interpretation geht, als auch um eine spannende, vitale und fundierte Ausdeutung der mittelalterlichen Lyrik und eine fantasievolle Einbeziehung von Spieltechniken, historischer Improvisation und Instrumentalbegleitung. Dabei möchte Sabine Lutzenberger mit ihren Mitstreitern nicht nur ungeahnte – und oft jahrhundertelang vergessene – musikalische Schätze heben, sondern den Hörern im Kontext dieser so stark mit Religion, Philosophie und Dichtung verbundenen Musik auch die Geisteshaltung einer jeweiligen Epoche vermitteln. So spürt das Ensemble in seinen Programmen dem musikalischen Individuum und dessen Ausdrucksweisen durch die Jahrhunderte nach.

So begeistern die Auftritte von Per-Sonat einerseits durch die beachtlichen technischen und musikalischen Qualitäten der Musiker, andererseits aber auch durch die emotionale Hingabe und die enorme Spielfreude, die man in ihren Interpretationen erlebt.

Bild Per-Sonat
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Mi 3.10.

17.00 Uhr

Offenbach-Hundheim, Abteikirche St. Maria

Icon Kirchenfenster

Ex Silentio

Musik der Troubadours im Lateinischen Königreich von Thessaloniki

Abteikirche St. Maria
Klosterstraße 16
67749 Offenbach-Hundheim

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Vorverkauf

Als die Truppen des unheilvollen 4. Kreuzzugs in die Gegend, die später als Romania bekannt wurde (ehem. Byzantinisches Reich), kamen, waren bereits einige bedeutende Dichter-Sänger in ihrem Gefolge: Der französische Trouvère Conon de Béthune, der danach ein hoher Vertreter des Fränkischen Hofes nach dem Fall von Konstantinopel wurde, sowie die beiden Troubadours aus der Provence, Raimbaut de Vaqueiras and Elias Cairel, die Höflinge im Königreich von Thessaloniki unter Bonifaz von Montferrat waren. Im Konzert wird die Musik dieser beiden Troubadoure in der Zeit von 1204-1207 präsentiert, mit einem thematisch und historisch dem Königreich verbundenem Repertoire und Konzertprogramm.

Das Ensemble Ex Silentio wurde 2001 von Dimitris Kountouras gegründet und ist eines der wenigen Ensembles für Alte Musik in Griechenland. Die Musker hatten bereits viele Auftritte in Festivals und Konzerthäusern in Europa u.a. „Styriarte“ in Graz, „Marco Fodella“ in Mailand, „Musica Antiqua da Camera“ in Den Haag, „Moukike'” in Bari, „Banchetto Musicale“ in Vilnious, „Trolhaeten” in Schweden, „Music Village“ in Pelion, in „St. Ruprechts Sommer Festival” in Wien, „Megaron“ Konzerthaus von Athen. Seit 2016 ist Ex Silentio „Ensemble in Residence“ am Athener Konservatorium. Der Leiter des Ensembles, Dimitris Kountouras, hat Block- Traversflöte und Alte Musik in Utrecht, Mailand, Wien und Trossingen studiert.

Bild Ex Silentio
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Karte mit Veranstaltungsorten Bild Offenbach Bild Worms Bild Otterberg Bild Hornbach Bild Speyer Bild Klingenmünster

Romanische Gebäude in der Pfalz

Konzertorte

Via Mediaeval. Mittelalterliche Vokalmusik in romanischen Gebäuden. Eine Musikreihe des Kultursommers Rheinland-Pfalz in Verbindung mit seinen regionalen Partnern.

Hintergrund

Unsere Partner / weitere Links

Logo Voix

Festival Voix & Route Romane
Das Festival Alter Musik im Elsass
www.voix-romane.com

Logo REMA

REMA / EEMN
Die Reihe Via Mediaeval im Mitglied des Europäischen Netzwerks für Alte Musik / Réseau Européen de Musique Ancienne / European Early Music Network
www.rema-eemn.net

Logo Otterberg

Otterberger Abteikirchenkonzerte
Konzerte im der ehemaligen Zisterzienserkirche
www.cms.abteikirche-otterberg.de/die-abteikirche-otterberg/konzerte/

Logo Euroclassic

Festival Euroclassic
Länderübergreifend in der Pfalz und im Elsass
www.festival-euroclassic.eu

Logo Int. Musiktage

Internationale Musiktage
www.dom-zu-speyer.de/dommusik/konzerte/ internationale-musiktage/

Logo Wunderhoeren

Wunderhoeren
Tage Alter Musik & Literatur in Worms
http://www.wunderhoeren.de

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Künstlerischer Berater

Prof. Dr. Stefan Morent

studierte Musikwissenschaften und Informatik an der Universität Tübingen, Blockflöte und Historische Aufführungspraxis bei Kees Boeke sowie Musik des Mittelalters bei Andrea von Ramm und Sterling Jones. Er promovierte 1995 zum Dr. phil. als Stipendiat der Landesgraduiertenförderung und erlangte 2004 die Habilitation zum Thema „Das Mittelalter im 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Kompositionsgeschichte in Frankreich“ als Stipendiat des Graduiertenkollegs „Ars und Scientia im Mittelalter und der frühen Neuzeit“ in Tübingen folgte. Seit 2008 ist er dort außerplanmäßiger Professor.

Seine Forschungsinteressen reichen von der Musik des Mittelalters, ihrer Aufführungspraxis und Rezeption, über Musiktheorie der Renaissance (Glarean u.a.) und landeskundliche Themen (Musik im deutschen Südwesten, Musik am Stuttgarter Hof 16.-18. Jh.) sowie französischer Musik des 19. Jahrhunderts und Musik und Religion ("Sacred Sound") bis zur Digitalen Musikedition. Zur Zeit betreut er ein DFG-Forschungsprojekt zur Erschließung mittelalterlicher Musikfragmente aus württembergischen Klöstern.

Prof. Dr. Morent nahm Professur-Vertretungen in Trossingen, Wien, Hamburg, Heidelberg, Detmold, Saarbrücken, Mannheim und Köln wahr und folgte einer Einladung als Visiting Professor an die University of Berkeley/USA.

Als Leiter des von ihm gegründeten Ensembles „Ordo Virtutum“ für Musik des Mittelalters geht er einer umfangreichen internationalen Konzerttätigkeit mit Einladungen zu bedeutenden Festivals für Alte Musik nach und kann auf zahlreiche preisgekrönte CD-Einspielungen zurückblicken. Er ist künstlerischer Leiter der Festivals „Via Mediaeval – Musik und Räume des Mittelalters “ in Rheinland-Pfalz und „Musikalische Avantgarde um 1400“ in Konstanz. Außerdem leitet er die Schola Cantorum am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen.

Impressum

Herausgegeben vom Kultursommer Rheinland-Pfalz
der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur
Mittlere Bleiche 61, 55116 Mainz
Stand: Juni 2018
Gestaltung: www.beatemarx.de
Technische Umsetzung: www.jung-newmedia.de
Fotos: Wenn nicht anders vermerkt von den Künstlern / Veranstaltern.
Darüber hinaus gilt das Impressum Kultursommer Rheinland-Pfalz

Kontakt

Kultursommer Rheinland-Pfalz
der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur
Mittlere Bleiche 61
55116 Mainz
Tel.: 06131 / 28 83 80
Fax: 06131 / 28 83 88
E-Mail: info@kultursommer.de

Datenschutz

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EUROPA

Prof. Dr. Stefan Johannes Morent

Im „Europäischen Jahr des Kulturerbes“ greift „Via Mediaeval“ 2018 dieses Motto auf und fragt unter der Überschrift „Europa“ nach den Wegen und Formen, die im Mittelalter zur Herausbildung einer europäischen Musikkultur geführt haben.

Denn einerseits erkennen wir im Mittelalter die Ursprünge vieler Entwicklungen, das Moment des „Zum-Ersten-Mal", andererseits präsentiert sich uns diese Epoche als eine Serie von Aufbrüchen, deren Reife und Abschluss erst in späteren Jahrhunderten erreicht wird, das Moment des "Noch-Nicht". Die Konzerte der Reihe präsentieren Ausschnitte aus diesem überaus reichen und vielfältigen Entwicklungsgeschehen, die den Hörer zu einer klingenden Reise über Zeit und Raum, vom 9. bis zum frühen 15. Jahrhundert, von England, Frankreich über Deutschland nach Italien und bis nach Thessaloniki einlädt.

Die spannende Klangreise beginnt mit John Potter und dem Conductus-Ensemble aus England mit einem Programm, das sich dem Ensemblenamen entsprechend einer zentralen liturgischer Musik des Mittelalters widmet: Der Conductus hat seinen Ursprung dem Namen nach als Begleit- und Auftrittsgesang in dramatischen Ausgestaltungen der Liturgie, löst sich jedoch bald davon und entwickelt sich zu einer dichterisch-musikalischen Form, die geistliche, weltliche, politische und moralisch-satirische Aspekte gleichermaßen bedienen kann. Einstimmig und bis zu vierstimmig wird er dadurch zu einer musikalischen Gattung, die einerseits das Erbe ihrer liturgischen Bindung bewahrt, andererseits genug Freiheiten erlangt, um teilweise scharfzüngiger Dichtung und kühnen Neuerungen des musikalischen Satzes Raum zu bieten. Das Konzert bietet einen Querschnitt durch diese europäische Musikgattung, die in Handschriften aus Deutschland, Spanien, der Schweiz, Frankreich und England reich dokumentiert ist und inhaltlich den Bogen vom Heiligen bis zum Sünder spannt.

Eine besondere Kombination von Musik des frühen und späten Mittelalters bietet das Klosterhof-Fest am Tag des Offenen Denkmals in Klingenmünster: Die beiden Ensembles Les haulz et les bas und sequentia präsentieren sich zunächst jeweils in eigenen Konzerten und zum Abschluss gemeinsam in der Klosterkirche. Den Hörer erwartet Bläsermusik aus der Zeit des Konstanzer Konzils, das vor 600 Jahren mit der Abreise des neugewählten Papstes Martin V. und der damit erfolgten Beilegung des Kirchenschismas 1418 endete. Die Konzilsdelegationen aus ganz Europa brachten auch ihre Musiker mit nach Konstanz an den Bodensee, darunter auch Ensembles der Alta Capella, die Blasinstrumente und Schlagwerk für das laute Spiel an Festen und im Freien kombinierten. Das weltweit renommierte Ensemble sequentia bringt in seinem Programm „Endzeit Fragmente” frühmittelalterliche geistliche Dichtung in althochdeutscher und lateinischer Sprache zum Klingen. Im gemeinsamen Abschluss mischen sich unter der Überschrift "Consonancia" frühe Musik für Bläser mit verlorengeglaubten Liedern und Instrumentalstücken aus fränkischer Tradition des 9. und 11. Jahrhunderts, u.a. über den Kampf zwischen Vater Hildebrand und seinem Sohn Hadubrand und die mörderische Schlacht von Fontenoy.

Von den Schrecken des Krieges in das süße Landleben der Toskana führt uns Ensemble Tasto Solo: Inmitten einer höfischen Gesellschaft auf einer Landvilla Nähe Florenz lässt Francesco Landini sein Portativ zu seinen Liedern von Liebe und Weisheit erklingen. Der blind geborene Landini galt im Italien des 14. Jahrhunderts, des Trecento, als einer der besten Spieler auf dem Organetto oder Portativ, einer kleinen Schoßorgel. Als Komponist ist er seinem französischen Zeitgenossen Guillaume de Machaut gleich zu setzen.

Dessen Musik ist in der besonderen Atmosphäre der Krypta des Speyrer Doms zu erleben: Das französische Ensemble Musica Nova präsentiert Meisterwerke dieses epochalen Komponisten von europäischer Dimension sowie seines nicht weniger wirkmächtigen Vorgängers Perotin aus der Schule von Notre Dame in Paris.

Die Romanische Nacht in Otterberg lädt wieder zu einem Doppelkonzert ein: Ensemble Vox Nostra öffnet in der ersten Hälfte die Ohren dafür, wie in der europäischen Musikgeschichte ein entscheidender Schritt getan wurde, der sie von allen anderen Musikkulturen unterscheidet: Von der Ein- zur Mehrstimmigkeit. Die Nacht klingt aus mit dem Ensemble Per-Sonat mit Musik aus Zisterzienserinnenklöstern.

Dieser neue Reformorden breitete sich im 12. und 13. Jahrhundert geradezu explosionsartig über ganz Europa aus und bot besonders auch Frauen eine neue geistliche Heimat. Zahlreiche Handschriften aus diesen Frauenklöstern, darunter das berühmte Las Huelgas in Spanien, dokumentieren einerseits die strenge Einheitlichkeit im Liturgiegesang der Zisterzienser, andererseits die Möglichkeit zu individuellen Abweichungen. So wird das Konzert in der ehemaligen Zisterzienserklosterkirche Otterberg gemäß unseres Reihenuntertitels zu einer idealen Übereinstimmung von Musik und Raum.

Unsere diesjährige Hörreise endet am äußersten Rand Europas, an der Nahtstelle zwischen Byzanz und dem Osmanischen Reich: In den während der Kreuzzüge errichteten lateinischen Königreichen wurden die höfischen Konventionen aus Frankreich und England weiter gepflegt. Das Konzert des Ensembles Ex Silentio führt uns in diese weitgehend unbekannte Klangwelt, in der am Hof von Thessaloniki provenzalische Troubadoure ihre Dichtkunst und Musik pflegten.

Wir möchten Sie verehrte Hörer wiederum herzlich zu unserer Konzertreihe einladen, um wie gewohnt in höchster Qualität und in sorgfältig ausgewählter Übereinstimmung die Symbiose von Musik und Raum zu erleben.

Prof. Dr. Stefan Johannes Morent

 

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